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Agile Führungsstrukturen – Zielfokus herstellen über OKRs

Kam in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts mit „Management by Objectives" (MbO) – der Führung über Unternehmenskennzahlen – eine neue Methode auf, so stoßen heutzutage mehr und mehr Unternehmen an die Grenzen dieses Systems. MbO passte perfekt in das Industriezeitalter mit planbaren und regelbasierten Prozessen. Auch zur Führung von Mitarbeitern wurden Kennzahlen (KPI – Key Performance Indicator) sehr erfolgreich eingesetzt – sei es als Teil der Unternehmenskultur oder in Form von variablen Vergütungssystemen.

Eine hohe Stabilität des gesamten Systems war dabei notwendige Grundlage, wurden doch stets aktuelle Daten mit Daten der Vergangenheit verglichen. Bei Änderung der Basis musste eine neue Referenzlinie geschaffen werden.

Und genau dies macht den Einsatz in unserem heutigen Arbeitskontext immer schwieriger. Wie misst man einen Effekt ohne stabile Vergleichsbasis, in einem System, das sich immer wieder anpasst? Denn dies ist inzwischen für viele Unternehmen Realität – die VUCA-Welt (volatil, unsicher, komplex, uneindeutig) heutiger Märkte. In der Praxis führt das dazu, dass Jahresplanungen unterjährig angepasst werden müssen und Zielvereinbarungen mit Mitarbeitern bereits nach 3–6 Monaten anderen Prioritäten weichen müssen.

Kennzahlenbasierte Führung verliert an Bedeutung, wenn Unternehmen schnell reagieren müssen und Systeme sich immer wieder verändern

Das lange bewährte System stößt im Hinblick auf Planungen und Mitarbeiterziele mehr und mehr an seine Grenzen, da

  • in unserer komplexen Welt die Planbarkeit nachlässt,
  • eine hohe Anpassungsfähigkeit und -geschwindigkeit an neue Situationen gefordert ist,
  • Jahresziele häufiger unterjährig korrigiert werden müssen,
  • viele Ergebnisse im Unternehmen auf Teamarbeit basieren und nicht mehr auf messbarer Einzelleistung,
  • festgelegte Prozesse an Bedeutung verlieren und agilerem Vorgehen weichen,
  • eine extrinsische Motivation bei der jüngeren Mitarbeitergeneration nicht mehr so wirkt,
  • diese Mitarbeiter intrinsisch motiviert werden wollen, sich z. B. für übergeordnete Unternehmensziele und -werte einzusetzen.

Selbstverständlich bleiben Unternehmenskennzahlen auch in Zukunft für die Führung ein wichtiges Instrument, um Ergebnisse zu erfassen und zu beurteilen. Als Führungsinstrument in Form von Mitarbeiterjahreszielen sind Kennzahlen jedenfalls eher ein Auslaufmodell, denn die Unternehmenskennzahl bildet jeweils das ab, was messbar und vorhanden ist – also die Vergangenheit.

Welche Möglichkeiten haben Unternehmen in einer VUCA-Welt, über Ziele zu führen?

Damit Unternehmen in diesem Kontext zielgerichtet nach vorne führen können, bieten sich die neueren OKRs (Objectives and Key Results; deutsch: Ziele und Zwischen-Ergebnisse) an. In diesem Ansatz sind die zukünftigen Ziele im Fokus, auf die Teams hinarbeiten sollen.

OKRs definieren „ein Ziel nach vorn", anstelle eines Blicks in den Rückspiegel!

Die Grundlage für OKRs ist die Vision oder strategische Ausrichtung des Unternehmens in der Zukunft. Die langfristigen Ziele (Objectives) eines Unternehmens sollten dafür neben einer soliden strategischen Komponente möglichst motivierend für Mitarbeiter sein.

Beispiele für qualitative Ziele (Objectives) auf Führungsebene:

  • Das Unternehmen ganz konsequent auf Kundennutzen auszurichten,
  • Kunden in der Zukunft mehrere Vertriebskanäle anzubieten,
  • eine Online-Vertriebsplattform für Ersatzteile und Services aufzubauen,
  • die Innovationen des Unternehmens schneller am Markt zu platzieren,
  • für Kunden präzise Lieferzeiten anzugeben und auch einzuhalten,
  • Mitarbeitern persönliche Entwicklungschancen anzubieten.

OKRs nutzen konkrete Zwischenetappen (Key Results), um auf ein visionäres, motivierendes Unternehmensziel hinzuarbeiten

Key Results werden dabei immer mit einem quantitativen Wert hinterlegt. Hier stellen sich immer wieder drei Fragen:

  • Was ist unser oder mein Beitrag, damit wir das Ziel erreichen können?
  • Welche Aktion sollten wir oder ich planen, damit es Erfolg hat?
  • In welcher Zeit sollten wir oder ich dies geschafft haben?

OKRs sind immer Teamziele, die bestenfalls vom Team selbst ausgesucht wurden im Hinblick auf ein gesetztes Unternehmensziel. Sie werden in einem konkreten Zyklus von 3–4 Monaten von einem Team bearbeitet. Wichtig ist, dass OKRs die strategischen Unternehmensziele bearbeiten, nicht das Tagesgeschäft.

OKR-Prozessablauf

  • Benennung eines OKR-Masters: Er oder sie führt den gesamten Prozess und kennt die OKR-Methodik.
  • Festlegung des OKR-Zyklus im Unternehmen: empfohlen sind 3- bis 4-Monats-Zyklen.
  • Workshops vor Beginn des OKR-Zyklus zur Aufstellung der Ziele (OKRs) pro Team (nie mehr als 4 OKRs).
  • Wöchentliche Fortschrittsmeetings während des laufenden Zyklus, in denen Probleme, Hindernisse und Fortschritt dokumentiert werden.
  • Review-Meetings am Ende eines Zyklus, um die tatsächliche Zielerreichung zusammenzufassen.
  • Team-Reviews: Wie lief die Zusammenarbeit, was hat sich bewährt, was würde das Team beim nächsten Mal verändern?
  • Start des nächsten Zyklus mit Workshops – welche OKRs werden weitergeführt, welche fallen gelassen, welche neuen kommen hinzu?

Damit es gelingt, ist auch eine veränderte Führung notwendig: Kein Mitarbeiter soll persönlich für das Nicht-Erreichen eines Ziels bestraft werden. Und es wird nicht empfohlen, eine Verbindung von OKRs und Vergütung zu schaffen, da dann der intrinsische Ansatz und die notwendige Fehlerkultur schnell abhandenkommen.

Wie sind OKRs und KPIs miteinander verbunden?

Selbstverständlich behalten Kennzahlen (KPIs) im Unternehmen einen wichtigen Stellenwert – sie dienen der Führung zur Übersicht und Messung aller relevanten Daten. Die erfolgreiche Umsetzung von OKRs bringt das Unternehmen mit jedem Zyklus seiner Vision einen Schritt näher und schlägt sich langfristig auch in den klassischen KPIs nieder.

Ein OKR-Master führt den Prozess, und ohne diesen „Kümmerer und Antreiber" wird ein OKR-Prozess kaum gelingen. Spannend ist, dass ein OKR-Team durchaus Teilnehmer aus unterschiedlichen Unternehmensfunktionen und -bereichen zusammenbringen kann, um an einem Thema gemeinsam zu arbeiten – einem Silodenken wird so wirksam entgegengewirkt.

Deshalb sind auch reine „top-down definierte" OKRs zu vermeiden. Eine Kombination aus „Bottom-up"-Vorschlägen aus den Teams und „Top-down"-Zielvorgaben bringt häufig eine motivierende Mischung.

Zusammenfassend können OKRs:

  • in komplexen Marktsituationen mehrfach jährlich angepasst werden,
  • den Blick über das Tagesgeschäft auf wichtige strategische Zukunftsziele lenken,
  • sehr motivierend für Mitarbeiter sein,
  • die Teamarbeit und Zusammenarbeit fördern,
  • visionäre Ziele in konkrete Schritte und Aufgaben umsetzen,
  • einem Unternehmen helfen, seine Vision von der Zukunft auch tatsächlich umzusetzen und zu erreichen.

OKRs erscheinen uns, bei PLUCH Interim Management, als Zieldefinition für Teams und die Umsetzung einer strategischen Unternehmensvision sehr sinnvoll in unserer heutigen, komplexen Zeit. Wir unterstützen gerne bei der Implementierung und begleiten Ihr Unternehmen bei der erfolgreichen Einführung.

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